Spritzige Ideen

Ein Zeitreise-Bericht der Klasse FE 19a des BSZ Grimma vom 2. bis 3. Juni 2022


Wir schreiben das Jahr 2045

Seit einigen Jahren ist eine Ausweitung der Demokratie im Gange. Das gilt insbesondere für einige deutsche Modellstädte. Darunter sind besonders viele ehemalige Industriestädte, die einen Strukturwandel hinter sich haben. So auch die Stadt Leuna, welche sich nun Newtown City (NTC) nennt.

In NTC kann das Volk bei allen Entscheidungen mitbestimmen. Durch ein auf Virtual Reality und Hologramme erweitertes Internet (das Newtownverse auf Grundlage des Metaverse) werden die Bürger über das Tun der Stadtregierung aufgeklärt. Zunächst sank die Bürgerbeteiligung an der Politik, da der Umgang mit dem neuen Internet für viele ungewohnt war. Zuletzt ist jedoch ein positiver Trend, auch bei der Wahlbeteiligung zu verzeichnen.

Zudem hat sich in den Bereichen Arbeit und Gesundheit einiges getan. Durch KI können bessere Prognosen für den Erfolg von beruflichen Tätigkeiten und Produktionen sowie schnellere und sicherere medizinische Diagnosen gestellt werden. Letztere sind auch von zu Hause aus möglich, und zwar mit Hilfe von Arztgesprächen über VR-Brillen oder Hologramme sowie durch Medibots, die Körperscans durchführen. Die VR- und Hologrammtechnik wird zudem für die private Kommunikation genutzt.

Die Schwierigkeit besteht darin, Hackerangriffe und Systemabstürze zu verhindern, um den Datenschutz zu gewährleisten und die Berührungsängste der Menschen mit den neuen Technologien weiter abzubauen.

Die sozialen Berufe bekommen mehr Anerkennung und Unterstützung vom Staat, allerdings ist es schwierig die finanziellen Mittel aufzubringen. Im Berufsleben werden individuelle Interessen stärker berücksichtigt. Und auch ein deutliches Plus an Freizeit garantiert mehr Raum zur persönlichen Entfaltung. Einen sehr hohen Stellenwert hat der Umweltschutz. Der Klimawandel konnte zwar nicht gänzlich aufgehalten werden, aber moderne Techniken der Energiegewinnung, klimafreundliche Verkehrsmittel sowie Renaturierungsprojekte versuchen die Natur zu stärken und das heiße Klima zu mildern. In viele dieser Projekte sind die Bürger aktiv mit eingebunden. Die städtische Regierung lockt mit attraktiven Angeboten, etwa mit NTC Coins (einer Kryptowährung), zur Teilnahme an den gemeinschaftlichen Aktionen. Diese dienen nicht nur der Verbesserung der städtischen Umwelt und Infrastruktur, sondern auch der geselligen Begegnung in einem ansonsten sehr digitalen, menschenfernen Alltag.



Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat…

1. Akt: Im Holo-Chat

 Handelnde Personen:  

  • Helene, Helga und Hilde –   
    drei Freundinnen  
  • HoloJen –   
    Werbesprecherin  

Helga liegt am Geiseltalsee. Trotz der 42 Grad lässt es sich im Schatten der hohen Bäume aushalten. Als ein Windzug die Baumkronen zum Rascheln bringt, fällt Helga etwas ein. Sie spricht in ihre Smartwatch, die sie nicht mal zum Schwimmen ablegt.

Helga: Alexa, ruf Helene an!

Helene (erscheint über der Uhr als Hologramm): Hallo Helga!

Helga: Hi, Helene. Wie geht’s dir?

Helene: Gut! Und dir?

Helga: Ja, mir geht’s super. Ich lieg am Strand und es ist wunderschön hier.

Helene (die Helga und den Strand als Hologramm sieht): Oh, da hättste mich ja mal mitnehmen können!

Helga: Na ja, ich dachte, du hast keine Zeit.

Helene: Da hättste einfach mal anrufen müssen!

Helga: Entschuldige! Aber das können wir ja noch nachholen! Doch was ich dich eigentlich fragen wollte: Ich hab gehört, es gibt am Mittwoch eine Baumpflanzaktion.

Helene: Echt? Wo soll denn das sein?

Helga: Bei uns im Industriegebiet hinten.

Helene: Davon habe ich noch nichts gehört.

Plötzlich poppt über Helenes Smartwatch die Gestalt von HoloJen auf, einer stadtbekannten Nachrichtensprecherin.

HoloJen: Neuigkeiten von HoloJen! Liebe Bewohner von Newtown City, am Mittwoch, dem 14.06.2045 startet unsere nächste Plant-a-Tree-Aktion. Die Regierung konnte erfolgreich das Industriegebiet der BASF AG erwerben, das zum Naherholungsgebiet umgestaltet wird – für ein grünes, lebenswertes Newton City. Meldet euch heute noch an und sichert euch 10.000 NTC Coins für den NTC Shop. Ende der Nachricht.

Helga: Nun, was sagst du? Das ist doch was für uns.

Helene: Ja, klingt echt nicht schlecht.

Helga: Und weißt du, was ich mir überlegt hab?

Helene: Was denn?

Helga: Eigentlich könnten wir doch auch noch Hilde anrufen und fragen, ob sie mitmachen möchte.

Helene: Ich glaub zwar eher nicht, aber Fragen kostet ja nichts.

Helga: Alexa, schalte Hilde dazu!

Hilde (die neben Helene als Hologramm erscheint): Moin!

Helga: He, was geht?

Hilde: Na nichts geht. Was is’n los? (die Stirn runzelnd) Irgendwas habt ihr doch schon wieder ausgeheckt!

Helga: Ja, hast du das mitbekommen von der Plant-a-Tree-Aktion?

Hilde (seufzend): Ach, hör mir auf mit den Bäumen! Ich hör den ganzen Tag nur von Bäumen, Bäumen, Bäumen.

Helene: Ja, aber ich meine, die sind doch gut für unsere Umwelt.

Hilde: Ja Umwelt hin oder her! Du machst den Fernseher an oder gehst raus, und überall Bäume. Das ist (tief ausatmend) so nervig.

Helga (eifrig): Aber überleg doch mal, wenn wir die ganze Zeit mit unseren Autos hin- und herfahren für nichts und wieder nichts, brauchen wir doch einfach mehr Bäume für eine bessere Klimabilanz. Und außerdem schaffen wir einen schönen Platz für uns und irgendwann für unsere Kinder.

Hilde: Ja, ich würde ja was bauen oder so, doch immer nur Bäume! Wann ist das denn überhaupt?

Helga: Nächste Woche Mittwoch.

Hilde (plötzlich erleichtert): Ach, da ha ich ’n Termin. Das ist gerade (kichernd) ’ne Großdemo gegen Bäume. Da muss ich hin! Tut mir leid, Mädels. Ein anderes Mal gerne, wenn’s nicht um Bäume geht. Aber diesmal nicht.

Helga (etwas enttäuscht): Ok!

Hilde: Macht’s gut!

Helga: Tschüss!

Helene: Tschau!

Hildes Hologramm verschwindet.

Helga: Na dann gehen wir ohne sie!

Helene: Ja, zu zweit kriegen wie das auch hin.

Helga: Ich denke auch. Bis dann!

Helene: Bis Mittwoch!


2. Akt: Die „Plant a Tree“-Aktion

 Handelnde Personen:  

  • Helene, Helga, Hanna, Harald  
  • und weitere Teilnehmer  

Auf dem ehemaligen BASF-Areal nahe der Stadt Leuna finden sich immer mehr, vor allem junge Leute ein. Nicht wenige scheinen sich zu kennen. Nach der Ausgabe von Jungbäumen und Spaten wird enthusiastisch damit begonnen, Löcher für die Bäume auszuheben.

Helga (die noch zu Hause ist): Alexa, ruf Helene an!

Helene (als Hologramm und schon am Graben): Helga, wo bleibst du?

Helga: Ich mach jetzt zu Hause los. Ich wollt bloß, dass du Bescheid weißt.

Helene: Alles klar! Wir ackern schon.

Helga: Puh, ihr seid ganz schön schnell heut alle! Ich bin in zwei Minuten da.

Helene: Bis gleich!

Helga kommt tatsächlich binnen weniger Minuten mit einem E-Taxi im Industriegebiet an.

Helga: He, wie geht’s euch?

Helene (die Freundin umarmend): Hi!

Hanna (sich verbeugend): Hallo, endlich sehen wir uns mal! Wir haben schon unseren ersten Baum gepflanzt.

Helga: Sehr schön! Könnt ihr mir sagen, wo die gepflanzt werden sollen? Gibt es feste Plätze oder können wir uns einfach einen aussuchen?

Hanna: Also wir können pflanzen, wo wir wollen.

Helene: Genau!

Hanna: Da (auf ein buntes Zelt deutend) gibt esPflanzen, Erde und Werkzeug. Und dort kannst du dich mit deiner Watch einchecken, für die NTC Coins.

Helene (zu Helga): Ok, dann machen wir gleich hier weiter!

Hanna: Und ich geh mit Harald da hinten hin.

Helga (zur Freundin): Haste Lust, nachher noch mit an den Strand zu kommen?

Helene: Klar!

Helga: Wollen wir ein Taxi bestellen? Ich hab keine Lust zu laufen.

Helene: Ja, können wir machen. Ich muss aber noch mal nach Hause, um meine Badesachen zu holen.

Helga (in ihre Smartwatch sprechend): Alexa, ruf ein Taxi in zwei Stunden!

Hanna (zu Harald, auf den sie ein Auge geworfen hat): Na, wollen wir dann noch in ’ne Bar?

Harald (grinsend): Klaro!

Alle Bäume sind verpflanzt und die Teilnehmer der Aktion strömen auseinander.

Helene: Tschüss!

Hanna: Bis zum nächsten Mal!

Helga: Gern!


3. Akt: Die Krankenvisite

 Handelnde Personen:

  • Annie  
  • Medibot  

Annie nimmt in ihrer Wohnung an einem Online-Seminar ihrer Hochschule teil.

Annie (sich an den Bauch fassend): Au, was ist denn das? Ich hab so übelst Bauchschmerzen! So ein Mist! Na ich ruf mal den Medibot, um zu gucken, was der sagt. (in ihre Smartwatch sprechend) Rufe Medibot! (Auf dem Display ihrer Watch erscheint ihre Adresse mit der Bitte, diese zu bestätigen.) Ja, richtig!

Der Medibot, ein sehr menschenähnlicher Roboter, klingelt nach nur fünf Minuten an Annies Tür.

Annie (öffnend): Ach, da ist er ja schon!

Der Roboter rollt auf Annie zu und um sie herum. Dabei leuchten seine Augen, während die Hände mit etwa 10 Zentimeter Abstand über alle Körperregionen fahren.

Medibot: Körperscan läuft. (nach einigen Pieptönen) Sie haben eine Entzündung wahrscheinlich des Blinddarms.

Annie (mit sorgenvoller Miene): Oh Gott!

Auf dem Display, das in den Bauch des Roboters eingelassen ist, erscheint ein Text mit Informationen zu möglichen Krankheiten und Behandlungen.

Annie (Luft holend): Nun, ich sollte mir das alles erst mal durchlesen. (mit Blick auf zwei Klickfelder) Behandlung abbrechen oder fortsetzen? Hmm, wenn ich das alles so lese, wär’s bestimmt doch besser, die Behandlung fortzusetzen.

Sie klickt auf „Fortsetzen“.

Medibot: Suchen Sie ein Krankenhaus aus!

Annie scrollt sich durch eine Liste von Krankenhäusern.

Annie: Ja (ihre Auswahl treffend), das ist in meiner Nähe.

Medibot: Wählen Sie Dr. Spitzky, Dr. Knorr, Dr. Neumann oder Dr. Kretschmar oder lassen Sie sich einen Arzt empfehlen!

Annie: Eine Empfehlung für den Arzt anfordern!

Medibot: Ich empfehle Dr. Knorr, er hat 3,5 Sterne.

Annie: Ok! Und ich brauche einen Termin!

Medibot: Nächster freier Termin morgen!

Annie: Oh super! Moment, habe ich da frei? (den Kalender in ihrer Smartwatch checkend) Ah, morgen sieht ganz gut aus!

Medibot: 11 Uhr?

Annie: Das passt!

Medibot: Also morgen, 11 Uhr, bei Dr. Knorr.

Annie: Super, danke schön!

Annie will dem Roboter die Hand zum Abschied geben, doch dieser rollt schon zur Tür hinaus.


Redaktion: sb