Müllers Maschinenherrschaft

Ein Zeitreisebericht einer 10. Klasse des eo.plauen in Plauen vom 11. bis 12. Juli 2022


Wir schreiben das Jahr 2045

Es ist genau 20 Jahre her, als die Atombomben fielen. Wer den Krieg begann ist, längst in Vergessenheit geraten. Klar ist nur: Viele Ökosysteme wurden zerstört und ein großer Teil der Menschheit wurde ausgelöscht. Zwar regeneriert sich die Natur langsam von der Zerstörung, doch für den Kampf gegen den Klimawandel bleibt keine Zeit. Das zeigt nun seine Auswirkungen: Naturkatastrophe wie Überschwemmungen, Stürme oder Hungersnöte aufgrund versuchter Böden sind an der Tagesordnung.

In dieser apokalyptischen Welt haben die verbleibenden Überlebenden beschlossen, einen Organisator zu wählen, der den Wiederaufbau verantworten soll. Um Geld zu sparen und so viele Menschen wie möglich einzubinden, setzen sie dabei auf digitale Demokratie. Sieger der Wahl ist das Technikgenie Louis Müller, der durch Investitionen in neuste Technologien verspricht, den Neuaufbau der Gesellschaft schnell und effizient zu gestalten. Er stellt den Menschen in Aussicht, mit dem Know-How seiner Robotik-Firma für stabile Lebensverhältnisse und das Ende der Klimakrise zu sorgen.

Müller beginnt damit, Wohngebiete für seine Firmenmitarbeiter und politische Verbündete wiederaufzubauen und erzielt dabei dank seiner hochentwickelten Roboter schnelle Erfolge. Nachdem diese neue Oberschicht versorgt ist, bricht er jedoch mit seinem Wahlversprechen und vernachlässigt den Wiederaufbau für den großen Rest der Bevölkerung. Der vermeintliche Retter der Menschheit entpuppt sich zunehmend als egoistischer Diktator, der seine Roboter und Maschinen weniger zum Aufbau allgemeinen Wohlstands, sondern vor allem zur Sicherung seiner eigenen Macht und der Ausbeutung der Armen nutzt.

Während eine ausgewählte Gruppe von den Vorzügen der modernen Technologien profitiert und Müllers Herrschaft stützt, wird der Großteil der verarmten Bevölkerung durch Drohnen und implantierte Chips überwacht und kontrolliert. Polizeiroboter patrouillieren auf den Straßen der Armenviertel und bestrafen alle, die gegen Müllers Unterdrückungssystem aufbegehren oder auch nur ihre Meinung äußern. Auch das Versprechen, die Klimakrise einzudämmen, wurde nicht eingelöst. Stattdessen schützen sich die Reichen hinter Dämmen und Kuppeln und genießen ihren Wohlstand, während die arme Bevölkerung den zunehmenden Klimakatastrophen nahezu schutzlos ausgeliefert ist und ihr Überleben kaum noch sichern kann.



Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat…

1. Akt: Der Retter erscheint

 Handelnde Personen:  

  • Mehrere Überlebende  
  • Louis Müller  

Wir befinden uns im Jahr 2030, die Welt ist vom Atomkrieg verwüstet. Auf einem Platz in einer verwüsteten Vorstadt haben sich einige Überlebende zusammengerottet und ein notdürftiges Camp errichtet.

Überlebender 1: Ich habe alles verloren…

Überlebende 2: Ich auch, mein Haus ist vollkommen zerstört.

Überlebender 3: Was soll ich nur machen?! Meine beiden Kinder sind zu Tode gekommen!

Überlebende 4: Ich kann dich verstehen. Mein Bruder ist erst letzte Woche an seinen alten Verletzungen gestorben.

Überlebender 3: Der Krieg hat so viele Opfer gefordert…

Überlebende 4: Leider ja.

Überlebende 2: Wir haben zwar alles verloren, aber wir haben immer noch uns! Und das ist das Wichtigste!

Auf einmal erscheint ein Mann am Rande des Camps.

Überlebender 1: Wer ist das? Und was sind das für Roboter neben ihm?

Louis Müller: Überlebende! Die Welt hat einen schweren Schlag erlitten. Egoistische und unvernünftige Politiker konnten sich nicht zurückhalten und haben einen erbitterten Atomkrieg geführt. Zwei Milliarden Menschen starben sofort, weitere vier Milliarden an den Folgen der radioaktiven Verseuchung und an Hungersnöten. Ich bin Louis Müller, Erfinder, Entwickler und Produzent hochentwickelter Roboter und Maschinen. Ich konnte einen Teil der von mir entwickelten Technologien vor der atomaren Zerstörung retten. Mit meinen Robotern werde ich dafür sorgen, dass wir die Welt innerhalb kürzester Zeit wieder aufbauen werden. Wir werden den Klimawandel aufhalten und die neue Gesellschaft wird besser sein, als es die alte jemals war! Gemeinsam können wir das schaffen!

Jubel unter den Überlebenden.

Louis Müller: Wie ihr sicher bereits erfahren habt, werden die Überlebenden aller Camps nächste Woche eine Wahl abhalten und einen Organisator bestimmen, der den Wiederaufbau der Zivilisation vorantreiben soll. Ich sage euch: Gebt mir eure Stimme! Wählt mich und ich werde uns in eine leuchtende Zukunft führen! Mit eurer Unterstützung und meinen Robotern werde ich die Welt wieder aufbauen!

Überlebende 2: Das klingt gut! Meine Stimme hat er.

Überlebender 1: Ich weiß nicht…

Überlebender 3: Ich werde ihm meine Stimme geben!

Überlebende 4: Ja! Endlich jemand, der uns in eine bessere Zukunft führen kann!


2. Akt: Feierabend

 Handelnde Personen:  

  • Marlon – einfacher Arbeiter  
  • Max 1 – einfacher Arbeiter  
  • Lukas – einfacher Arbeiter  
  • Jule – einfache Arbeiterin  
  • Kai – einfacher Arbeiter  
  • Max 2 – einfacher Arbeiter  

Wir befinden uns im Jahr 2045. Seit der Wahl Müllers zum Organisator sind 15 Jahre vergangen. In einer kleinen Kneipe im Herzen eines Armenviertels treffen sich einige Freunde nach Feierabend. Ein paar von ihnen spielen Poker, als Marlon den kleinen Gastraum betritt.

Marlon: Guten Abend!

Max 1: Hi!

Lukas: Grüß‘ dich!

Jule: Na, wie geht’s dir?

Marlon: Nicht so gut. Ich habe heute schon wieder 10 Stunden in der Mine gearbeitet. Ihr glaubt nicht, was passiert ist! Ein Junge in meinem Alter ist einen Schacht heruntergestürzt und dabei ums Leben gekommen!

Max 2: Das klingt ja grausam!

Jule: Wie schrecklich!

Kai: Oh nein! Und wie geht es der Familie?

Marlon: Den Umständen entsprechend…

Jule: Mein Gott… Möchtest du etwas essen? Du musst erschöpft sein.

Max 1: Es gibt doch ohnehin nichts! Wir haben ja nicht einmal genug Lohn von unserer Knochenarbeit, um uns etwas Anständiges zu kaufen!

Lukas: Ich kann meine Kinder nicht mehr ernähren!

Kai: Wie konnte es nur so weit kommen?

Marlon: Ich weiß es nicht… Nächste Woche ist jedenfalls wieder Wahl.

Max 2 schiebt 20 Pokerchips in die Mitte des Tischs.

Max 2: Ich erhöhe den Einsatz!

Jule: Ich gehe mit.

Lukas: Ich auch!

Jule gewinnt die Runde und zieht den Gewinn auf ihre Seite des Tischs.

Jule: Ich glaube, du hast dich vertan, Marlon. Die Wahl war heute.

Marlon: Was, wirklich?!

Max 1: Ja, öffne doch mal die App auf deinem Handy. Du müsstest noch abstimmen können.

Marlon: Stimmt, ich kann noch wählen. Ja oder Nein zu Louis Müller. Wie habt ihr gestimmt?

Kai: Ändert sich doch eh nichts! Ich habe mit Ja gestimmt.

Lukas: Ich habe auch mit Ja gestimmt.

Max 2: Ich auch.

Jule: Kann man überhaupt mit Nein stimmen?

Max 1: Ich weiß es nicht.

Marlon: Ich probiere es mal.

Eine Stimme aus der App fragt Marlon: „Sind Sie sicher, dass Sie mit Nein stimmen wollen? Sind Sie sich der Risiken für Ihre Mitmenschen und die Gesellschaft bewusst?“

Marlon fährt fort und bestätigt seine Eingabe.

Die Stimme aus der App erwiedert: „Vielen Dank für Ihre Eingabe! Zu Ihrer eigenen Sicherheit und derer Ihrer Mitmenschen wurde Ihre Auswahl als Stimme für Louis Müller gewertet.“

Marlon: Was?! Das kann doch nicht sein!

Max 1: Immer dasselbe!

Jule: Wir werden doch nur betrogen!

Kai: Seht ihr! Nichts ändert sich und die da oben machen, was sie wollen.

Max 2: Moment, ich werde angerufen.

Max 2‘s Handy klingelt und er nimmt ab. Nach einem knappen Gespräch wendet er sich wieder an seine Freunde.

Max 2. Das war mein Freund beim Sicherheitsdienst. Wir müssen verschwinden! Die haben bemerkt, dass Marlon mit Nein gestimmt hat. Roboter sind auf dem Weg und wenn die uns hier zusammen finden, sperren sie uns alle weg! Ihr wisst, dass jegliche Versammlungen mit mehr als 4 Personen verboten sind!

Jule: Oh Mist! Ich verschwinde.

Max 1: Ich auch! Macht’s gut!

Lukas: Geht in unterschiedliche Richtungen und dann direkt nach Hause! Lasst euch nicht erwischen.


3. Akt: Im Wohnzimmer der Reichen

 Handelnde Personen:

  • Marlon – armes Kind  
  • Max 1 – reiches Kind  
  • Max 2 – als Vater  
  • Jule – als Mutter  

Max 2, Jule und Max 1 sitzen im Wohnzimmer ihrer luxuriös ausgestatteten Wohnung in einem Hochhaus.

Max 2: Heute ist das Kreuzworträtsel aber wieder schwer.

Jule: Meine Haare fallen heute richtig gut! Und mein Nagellack erst! Die winzigen Lackierroboter im Maniküre-Salon leisten ganze Arbeit!

Max 1: Mama, was ist denn da unten los? Siehst du das?

Max 1 zeigt aus dem Fenster auf die tiefer liegende Straße.

Jule: Ach, da ist nichts.

Max 2: Da unten ist gar nichts! Nur Dreck und schlechte Luft!

Max 1: Da ist ein Kind! Es spielt im Dreck und sieht sehr hungrig aus. Ich möchte ihm etwas geben!

Jule: Nein, das ist unser Geld! Die da unten haben beim Wiederaufbau nicht geholfen. Die haben es nicht verdient.

Marlon, der im Dreck spielt, hat Max 1 erblickt, schaut zu ihm hoch und winkt. Auf einmal nähern sich ihm mehrere Sicherheitsroboter.

Max 1: Was ist das? Was machen die Roboter mit dem Kind?

Max 2: Da siehst du es, die kümmern sich um die Leute, die nicht arbeiten und nur faul herumlungern. Wenn du nicht aufpasst, dann endest du auch so!

Jule und Max 2 treten ans Fenster, öffnen es und rufen in Richtung des armen Kindes auf der Straße.

Jule: Fort! Weg mit dir!

Max 2: Geh! Geschieht dir Recht, dass dich die Sicherheitsroboter holen, wenn du hier rumlungerst.


Redaktion: km