Trostlose Welt

Ein Zeitreise-Bericht der Klasse 10/2 am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen
(Workshop 20. – 21. September 2023)

Wir schreiben das Jahr 2045

Liebes Tagebuch, 

die Welt ist verloren! Alle verlassen sich auf die neuen Technologien. Keiner kann mehr etwas selber. Nahezu alle alltäglichen, handwerklichen Tätigkeiten werden von Robotern übernommen und somit durch die Menschen verlernt. 

Haushaltsroboter, wie der Robobutler 3003 übernehmen sämtliche Aufgaben im privaten Leben: Gedanken aussprechen, diese übersetzen, Kaffee kochen, mit Freunden chatten und lieben. Dazu kommt noch die telepathische Kommunikation. Man braucht nicht mehr auszusprechen, was man denkt.  

Auf Privatsphäre wird dabei strengstens geachtet. Niemand (außer die Geheimpolizei) kann deine Gedanken lesen. Trotz des kompetenzbasierten Lernens sind die Gedankenstrukturen stetig primitiver geworden. Selbstständiges Denken ist vollkommen überflüssig! Die Technik sagt dir ja, was du willst und brauchst.  

Durch Genom-Editierung kann man in der ersten Schwangerschaftswoche mittlerweile nun schon die Haarfarbe, Größe und Kopfform des Kindes bestimmen und verändern. Die zwei Vermögensberater-Kinder Nick und Laura sind inzwischen nah an ihrem Lebensziel: Eine legale Scheindemokratie. Die beiden haben die Weltregierung durch ihr Sicherungsunternehmen übernommen. 

Trotzdem gibt es Hoffnung für die Menschheit. Die Experten im Bereich Menschheitsentwicklung und Verschwörungstheorie sind hoffnungsvoll und sehen ein Licht am Ende des Tunnels, z.B. bei der Entwicklung eines neuen Schulsystems, welches die Auswirkungen des bei vielen Menschen implantierten Gehirnchips mitbedenkt und die Menschen wieder auf die richtige Bahn führt. 


Szenen, die sich im Jahre 2045 zugetragen haben…

1. Akt: In einem Theater 

 Handelnde Personen:  

  • Manager  
  • Techniker  
  • Roboter-Rapper  

Manager: Sehr gut. Das war ein gutes Event. 

Manager und Techniker schalten den Roboter aus. Dieser senkt seinen Kopf.   

Manager: Das war gut. Diesmal hat der Roboter durchgehalten. 

Techniker: Ja.  

Manager: Seitdem wir uns das nicht mehr leisten können, echte Menschen auf die Bühne zu schicken… puh. 

Techniker: Ja, das kriegen wir schon hin. Wie viel Geld war das denn heute?

Manager: Zwei Millionen, drei Millionen. Müssen wir schauen. 

Techniker: Gut, dann… Ja, aber ich denke mal, beim nächsten Mal können wir noch was verändern und verbessern. 

Manager: Die Stundenlöhne für Menschen sind so hoch geworden.  

Techniker: Ja. 

Beide schütteln traurig mit dem Kopf. 

Techniker: Glaubst du, dass das noch lange so geht? 

Manager: Das überlege ich, weil wir müssen überlegen, ob wir das weiter so machen können. Ich meine, das Publikum, noch glaubt es, dass wir echte Menschen auf der Bühne haben. Wenn das Publikum nicht mehr daran glaubt, dann wird es schwierig. 

Techniker: Dann wird es schwierig.

Manager: Aber im Publikum ist auch nicht alles echt. Die meisten sind virtuell zugeschaltet. Eigentlich ist das alles nur virtuell. Virtuelle und digitale Leute auf der Bühne, virtuelle Leute im Publikum. Wofür eigentlich das Ganze?

Techniker: Damit wir noch ein wenig Geld verdienen können. 

Manager: Ja. Eigentlich sind nur wir am Ende real. 


2. Akt: In einem Pflegeheim

 Handelnde Personen:  

  • Opa Werner  
  • Enkel Peterson  
  • Pfleger  

Der Pfleger betritt das Zimmer von Opa Werner. 

Pfleger: Guten Tag, Herr Werner. Ihre Hologramm-Stunde mit Ihrem Enkel Peterson steht an. 

Werner: Vielen Dank. Können Sie es bitte einschalten. 

Pfleger: Oh selbstverständlich. 

Werner schaut auf den Hologrammprojektor. Sein Enkel ist zu sehen und hören. 

Peterson: Hallo Opa. Ich würde dir gerne erzählen, wie es heute war, bei meinem Tag auf Arbeit. Aber viel habe ich gar nicht erlebt. Schönes Wetter heute. Hast du irgendwas Spannendes zu erzählen? Du kannst mir ja mal etwas schreiben. Heute habe ich aber keine Zeit für dich. 

Werner: Oh schade. Bis bald. (winkt traurig)


3. Akt: In einem Pflegeheim

 Handelnde Personen:  

  • Opa Werner  
  • Roboter   

Werner sitzt an seinem Schreibtisch. Sein Hilfsroboter steht neben ihm. 

Werner: Roboter, ich möchte einen Tagebucheintrag vornehmen. 

Roboter: Leg los. 

Werner spricht, während der Roboter alles in Echtzeit in das Tagebuch schreibt. 

Werner: Liebes Tagebuch, mein Enkel versteht diese ganze neue Technik. Ich bin so stolz auf ihn. Ich bin stolz, dass er weiß, wie das Ganze mit den Hologrammen und so richtig funktioniert, aber eigentlich vermisse ich ihn nur. Wie ist es so weit gekommen? Warum wird das alles nur als Fortschritt und lang ersehnte Zukunft gefeiert? Sind wir Menschen es nicht wert, dass wir von Menschen betreut werden? War nicht das große Ziel die Menschlichkeit? Und jetzt existiert gar nichts mehr davon. 

Traurig schaut Werner aus dem Fenster.