Die Welt der Garfield

Ein Zeitreise-Bericht der Klasse 9/4 an der Friedrich-Schiller- Schule in Leipzig
(Workshop 18. bis 19. März 2024)


Wir schreiben das Jahr 2045

Seitdem die Herrscherin Garfield die Weltherrschaft an sich nahm, änderte sich Vieles. Sie ließ den Eiffelturm nach Berlin versetzen, sodass ich nun mit Blick auf dieses Wahrzeichen des neuen Berlins in meinem großen Apartment wohnen kann.

Ich habe vor zwei Wochen ein Psychologieseminar gemacht – der Job ist hier sehr gefragt – weshalb ich jetzt 5 Garfields pro Woche verdiene. Im Allgemeinen werden wir Frauen sehr gut bezahlt; die Männer kriegen Mindestlohn.

Jeden Morgen robbe ich mit meinem Seeelefanten zur Arbeit, die neuen Straßensysteme machen es möglich. Jetzt muss ich los. Ciao!



Szenen, die sich im Jahre 2045 zugetragen haben…

1. Akt: Therapiestunde

 Handelnde Personen:  

  • Therapeutin  
  • Frau Gundula  
  • Karsten  

Eine Frau kommt ins Zimmer und setzt sich gegenüber der Therapeutin auf einen Stuhl.

Therapeutin: Hallo Frau Gundula, schön, dass Sie auch diesen Monat zur Therapiestunde gekommen sind. Wie geht es Ihnen denn so?

Frau Gundula: Ja, mir geht es eigentlich ganz gut, ich hatte eine schöne Woche, die freien Periodenprodukte waren von guter Qualität. Das war wirklich super. Allerdings habe ich eine große Sorge, die auf mir lastet. Und zwar möchte ich schwanger werden.

Therapeutin: Ach ja, und da wissen Sie nicht genau, wie Sie das machen sollen?

Frau Gundula: Genau.

Therapeutin: Sie haben bestimmt schon einmal von diesen speziellen Supermärkten gehört, in denen Sie Sperma kaufen können. Das sind so fünf Garfields pro Probe. Was halten Sie davon?

Frau Gundula: Ja, das hört sich ja eigentlich schon ganz gut an. Allerdings habe ich ein bisschen Angst, dass ich einen Jungen bekomme. Denn ich verabscheue Männer von ganzem Herzen. Sie sind ja zu Recht nicht so hochgestellt wie wir Frauen.

Therapeutin: Ja, dieses Gefühl kann ich gut verstehen, aber zur Not können Sie das Kind ja auch zur Adoption freigeben. Es gibt ja auch viele Frauen, die sich Kinder wünschen, egal welches Geschlecht.

Frau Gundula (fröhlich): Das stimmt, Sie haben Recht. Vielen Dank!


Frau Gundula verlässt die Praxis.

Ein Mann mit Schnurrbart kommt in die Praxis.

Therapeutin: Guten Tag!

Karsten (unsicher): Hallo, ich bin der Karsten.

Therapeutin: Schön, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Wie geht es Ihnen denn?

Karsten: Nicht gut, ich arbeite seit vier Uhr morgens. Ich habe eine 60-Stunden-Woche.

Therapeutin: Aber das ist ja normal für Männer, da lässt sich nicht viel dran ändern.

Karsten (winkt ab): Ich weiß ja.

Therapeutin (motivierend): Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir verändern können.

Karsten (gequält): Trotzdem. Ich verdiene fast nichts bei diesem Job.

Therapeutin: Haben Sie vielleicht eine Idee, was Sie an Ihrem Leben ändern könnten, dass es Ihnen besser geht? Möchten Sie etwas für die Gesellschaft beitragen? Haben Sie schon einmal von den neuen speziellen Supermärkten gehört, in denen Männer ihr Sperma verkaufen können? Das wäre doch schön für Sie, oder nicht? Das hilft Frauen, die schwanger werden wollen.

Karsten: (empört): Schwanger, ohne den Akt der Liebe?! Das ist ja ein Quatsch. Verstehe ich nicht.

Therapeutin: Manche Frauen möchten das halt nicht. Männer haben in unserer Gesellschaft ja nicht den besten Ruf. Nach allem, was sie Jahrtausende lang den Frauen angetan haben…

Karsten (verzweifelt): Das war ja nicht ich!

Therapeutin: Darum soll es ja auch jetzt nicht gehen. Also was sagen Sie dazu, wäre das nicht etwas für Sie? Sie könnten sich etwas dazu verdienen und auch noch das Leben von einigen Frauen stark verbessern.

Karsten (nachdenklich): Naja, ich denke darüber nach. (mit einem Blick zur Uhr) Oh, ich muss auch schon wieder los, mein dritter Job fängt gleich an.

Therapeutin: Dann wünsche ich Ihnen einen schönen Tag. Auf Wiedersehen.

Karsten (im Gehen): Wiedersehen!

Karsten eilt aus dem Zimmer.



2. Akt: Der Exorzismus

 Handelnde Personen:  

  • Priesterin  
  • Vier rothaarige Frauen  

In Irland. Das Land ist zu einer Art Gefängnis für Rothaarige geworden. Diese gefallen der großen Garfield nicht. Erst nach einer komplizierten Prozedur dürfen sie das Land verlassen.

Vier Frauen mit roten Haaren stehen in einer Reihe.

Eine Priesterin in Gewändern und mit Weihrauchschalen kommt dazu.

Priesterin: Klimper, klimper.

Frauen (tuscheln einander zu): Es geht los!

Priesterin: Kommen wir zum Exorzismus.

Im Folgenden spricht die Priesterin ihre Beschwörungsformeln, während die Frauen synchron eine Reihe von Bewegungen machen, wie ein langsamer Tanz.

Priesterin: In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti, amen!

Die Frauen stöhnen auf, die Priesterin schwenkt den Weihrauch.

Priesterin: Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii!

Eine der Frauen schreit auf, ihr Haar ist schwarz geworden.

Priesterin (verneigt sich): So sei es. Du bist befreit, du bist frei.

Die Priesterin geht wieder, die drei Rothaarigen blicken neidisch auf die Vierte, die nun das Land verlassen darf.


3. Akt: In der Schule

 Handelnde Personen:  

  • Herr Huber  
  • Ludwig – Schüler  
  • Karl – Schüler  
  • Franz – Schüler  

Der Lehrer Herr Huber betritt das Klassenzimmer. Er spricht mit ziemlich bayrischem Dialekt.

Herr Huber: Ave Garfield!

Alle zusammen (stehen auf): Ave!

Herr Huber: Setzen. Also, liebe Klasse, heute machen wir Geschichtsunterricht. Gibt es vielleicht bereits irgendwelche Fragen?

Ludwig schnippt mit der ausgestreckten Hand.

Herr Huber: Bitte.

Ludwig: Was ist denn heute das Thema?

Herr Huber (rollt mit den Augen): Heute besprechen wir, warum die Herrscherin Garfield an die Macht gekommen ist.

Ludwig (frech): Und wann besprechen wir, warum Männer keine Rechte haben?

Herr Huber (genervt): Des is doch klaa. Weil mer scheiße sin. Noch Fragen.

Ludwig beugt sich zu Karl rüber und tuschelt erbost mit ihm.

Herr Huber (zunehmend wütend): Hör auf zu tratschen. Ihr habt kein Rederecht. Bist du von Sinnen?

Ludwig: Aber…

Lehrer (seufzt): Na gut. Also, des hat ja einen Grund, warum des so is. Weil wir Männer, wir sind ja von der Natur aus a bissl stärker. Für’s Gleichgewicht müssen wir Männer also freilich ein bisschen unterbezahlt und generell diskriminiert werden.

Ludwig (empört): Aber das ist doch ungerecht?!

Herr Huber (endgültig): Das muss so sein. Das ist die beste Idee seit der Erfindung der Dönerpizza.

Alle sind still.

Herr Huber: Guat. Also. Habt ihr vielleicht Fragen zur großen Garfield?

Karl: Also, die große Garfield… Wie hat denn die Gute die Weltherrschaft erlangt?

Herr Huber: Nu, des wissen wir nicht ganz. Sie ist halt a ganz tolle. Ge, da waren die Wahlen, und da haben wir sie alle gewählt. Auf einmal hatte sie Hundert Prozent, ich dachte auch, ich spinne, ge. Aber so schlimm ist ja nicht, ge.

Die Schüler kichern.

Herr Huber: Hört ihr mal auf zu lachen.

Karl: Wie lange herrscht sie denn schon?

Herr Huber: Seit circa zehn Jahren, seit 2035.

Karl: Und wie heißen die anderen Herrscherinnen? Sie herrscht ja nicht allein.

Herr Huber: Woher soll ich das wissen? Die wohnen doch am Arsch der Welt. Wisst ihr eigentlich, was die alles regieren?

Herr Huber zieht eine Weltkarte von der Decke und tippt auf ihr herum.

Herr Huber: Australien regieren die, oder hier (zeigt) Amerika. Ich war da noch nie. Ich bin ja ein Mann. Ich darf net über die Grenze schreiten. Was weiß ich, wer da regiert.

Franz: Was halten Sie denn von Frankreich?

Herr Huber: Also was soll denn jetzt die Frage? Frankreich ist doch zerbombt. Da ist doch nichts mehr. Welches Frankreich?

Franz (empört): Isch komme aus Frankreich. Warum ‘aben Sie keinen Respekt? Isch gehe aus dieser ignorante Land. (steht auf und geht)

Herr Huber: Na geh doch, wir brauchen euch nicht. (an alle) Der Unterricht ist beendet. Wiederschauen.

Herr Huber stürmt aus dem Klassenraum.